Stakeholder Workshop im Projekt HydroExtremes

Die Teilnehmenden des ersten Workshopstags auf der Dachterrasse der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt

Dr. Veit Blauhut (LfULG Sachsen) und Dr. Andreas Marx (UFZ) beleuchten die Auswirkungen von Dürreereignissen am Beispiel Sachsens und diskutieren den Deutschen Dürremonitor sowie die Herausforderungen einer einheitlichen Dürredefinition in Deutschland.© Helmholtz-Forum Erde und Umwelt

Gruppenarbeiten geben den Teilnehmenden Raum, zentrale Herausforderungen vertiefend zu diskutieren und gemeinsam praxisnahe Lösungsansätze im Umgang mit wasserbezogenen Extremereignissen zu erarbeiten. © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt

Steffi Lemke, MdB, hob in ihrer Keynote die hohe gesellschaftliche Bedeutung der nationalen Wasserstrategie hervor und betonte die Chancen eines vorausschauenden und gemeinschaftlichen Umgangs mit wasserbezogenen Extremereignissen. © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt

Beim Stakeholder-Workshop hatten Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und Praxis die Möglichkeit, sich auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsam Ansätze für den Umgang mit hydrometeorologischen Extremereignissen weiterzuentwickeln. © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt

Der Workshop bot eine Plattform für den sektorübergreifenden Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis zu aktuellen Herausforderungen im Umgang mit wasserbezogenen Extremwetterereignissen. © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt

Zu viel und doch nicht genug Wasser

Am 14. und 15. April 2026 fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein transdisziplinärer Stakeholder-Workshop im Rahmen des Projekts HydroExtremes statt. Ziel war es, den Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis zu stärken und gemeinsame Handlungsansätze im Umgang mit hydrometeorologischen Extremereignissen weiterzuentwickeln.

Im Mittelpunkt stand die gleichzeitige Herausforderung von Wasserüberschuss („zu viel“) und Wasserdefizit („zu wenig“). Vor dem Hintergrund des Klimawandels wurde deutlich, dass sowohl Hochwasser- als auch Dürreereignisse in Häufigkeit und Intensität zunehmen und bereits heute erhebliche Folgen für Umwelt, Infrastruktur und Gesellschaft haben. Gleichzeitig erfordern beide Typen von Extremereignissen integrierte, sektorübergreifende Lösungsansätze.

Eröffnet wurde der Workshop von den Projektleitern Prof. Dr. Harald Kunstmann (KIT) und Prof. Dr. Peter Knippertz (KIT) mit einer Einführung in Ziele und Inhalte von HydroExtremes. Anschließend präsentierten Expertinnen und Experten in Tandems aus Wissenschafts- und Praxisvertreter:innen aktuelle Forschung sowie praxisnahe Ansätze im Dürre- und Hochwassermanagement.

Im Bereich Wasserknappheit zeigte Dr. Veit Blauhut (LfULG Sachsen) am Beispiel Sachsens die Auswirkungen von Dürreereignissen und betonte die Bedeutung historischer Analysen für Anpassungsstrategien. Dr. Andreas Marx (UFZ) stellte den Deutschen Dürremonitor als etabliertes Entscheidungsinstrument vor, wies jedoch darauf hin, dass eine einheitliche Dürredefinition in Deutschland weiterhin fehlt. Im Bereich Hochwasser wurden neue methodische Ansätze vorgestellt. PD Dr. Uwe Ehret (KIT) zeigte Potenziale KI-gestützter Vorhersagen für kleine Einzugsgebiete auf. Manuel Perschke (LfU Rheinland-Pfalz) erläuterte einen Co-Design-Ansatz, bei dem Modelle gemeinsam mit Praxispartnern entwickelt und direkt in operative Systeme integriert werden, etwa in Rheinland-Pfalz.

Darauf folgte die Vorstellung zentraler Inhalte eines Helmholtz-Syntheseberichts als Diskussionsgrundlage entlang der Prozesskette hydrometeorologischer Extremereignisse. Prof. Dr. Kunstmann betonte die gesellschaftliche Relevanz hydrometeorologischer Extreme, Prof. Dr. Knippertz die Bedeutung meteorologischer Grundlagen für Prognosen. PD Dr. Heye Bogena (FZJ) präsentierte neue hydrologische Modellansätze zur Wassersicherheit, während PD Dr. Heidi Kreibich (GFZ) im Bereich Impact und Governance zeigte, dass zusätzliche Schadensparameter zu präziseren Risikoabschätzungen führen.

In der anschließenden Stakeholder-Feedbackrunde (mit dem Ziel, den vorhandenen Draft des Syntheseberichts zu überarbeiten) wurde der Wunsch nach stärkerer Praxisorientierung deutlich. Der Synthesebericht solle konkreter auf Anwendungen eingehen, eine kompakte Version für Entscheidungsträger:innen enthalten und bestehende Modelle besser einordnen. Zudem wurden ein KI-Leitfaden für Infrastrukturansätze, praxisnahe Beispiele sowie eine stärkere Fokussierung auf Länderbedarfe (z. B. Klimaanpassung) gefordert. Für die Umsetzung seien außerdem Kosten-Nutzen-Analysen und rechtssichere Modellanwendungen entscheidend.

In Gruppenarbeiten wurden die Inhalte vertieft. Besonders intensiv diskutiert wurde der Umgang mit Unsicherheiten in Entscheidungsprozessen. Dabei wurde betont, dass probabilistische Ansätze stärker genutzt und Entscheidungen häufiger auf Wahrscheinlichkeiten und Kosten-Nutzen-Abwägungen basieren sollten. Beispiele aus anderen Sektoren zeigten, dass Unsicherheiten dort bereits systematisch integriert werden. Für die Hydrologie wurde daraus der Bedarf abgeleitet, Modelle stärker als quantitative Entscheidungsgrundlagen nutzbar zu machen.

Der zweite Workshoptag begann mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse sowie Keynotes zur Nationalen Wasserstrategie (NWS). Steffi Lemke (MdB und Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz a.D.) betonte die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Themas Wasser und die Notwendigkeit, sich stärker auf Extremereignisse einzustellen. Wasser sei kritische Infrastruktur, und die NWS müsse konsequent umgesetzt werden. Sie hob zudem die Bedeutung von Wissenstransfer, alltagsnaher Kommunikation und positiven „Erfolgsgeschichten“ hervor, um gesellschaftliche Akzeptanz zu stärken.

Regina Paas und Dr. Britta Ammermüller (beide Referatsleiterinnen im BMUKN) stellten die Strategie aus Verwaltungssicht vor und würdigten den Workshop als wichtige Plattform für Austausch und Vernetzung. Die Umsetzung sei ein gemeinsamer Prozess von Bund, Ländern und Kommunen. Zentrale Handlungsfelder seien Daten, Monitoring und Auenrenaturierung. Als zentrale Instrumente wurden u. a. das Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS, Start 2026) sowie bestehende Hochwasser- und Starkregenschutzprogramme genannt. Eine Herausforderung bleibe insbesondere die begrenzte Flächenverfügbarkeit.

In einer weiteren Gruppenarbeit entwickelten die Teilnehmenden Zukunftsvisionen für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden langfristige Kooperationsstrukturen, stabile Schnittstellen, eine gemeinsame Sprache sowie der frühzeitige Einbezug von Praxisakteuren identifiziert. Auch der Ausbau gemeinsamer Dateninfrastrukturen und standardisierter Prozesse wurde als entscheidend für die bessere Nutzung von Modellen hervorgehoben.

Abschließend wurden die Ergebnisse zusammengeführt und nächste Schritte diskutiert. Einigkeit bestand darin, dass die größte Herausforderung in der praktischen Umsetzung liege. Besonders betont wurden die Notwendigkeit, bestehende Ansätze stärker zu bündeln, Kooperationen zu intensivieren und praxisnahe Anwendungen sichtbarer zu machen. Zudem wurde hervorgehoben, dass positive und lösungsorientierte Narrative wichtig sind, um das Thema Wasser stärker in Gesellschaft und Politik zu verankern. Insgesamt wurde der Workshop als wichtiger Impuls für die zukünftige Zusammenarbeit sowie für die Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praxisnahe Maßnahmen gesehen.