Projekt CuLiWell | Stakeholder-Workshop
Stakeholder-Workshop zum Thema Ko-Extraktion von Kupfer und Lithium aus geothermischen Fluiden
Teilnehmende des CuLiWell Stakeholder-Workshops. | © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Austausch beim CuLiWell Stakeholder-Workshop. | © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Diskussionen beim CuLiWell Stakeholder-Workshop. | © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Projektleitung Prof. Dr. Simona Regenspurg moderiert den Workshop. | © Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Am 18. und 19. Februar 2026 fand in der Berliner Geschäftsstelle der Helmholtz-Gemeinschaft ein transdisziplinärer Stakeholder-Workshop im Rahmen des CuLiWell-Projekts statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Industrie und Nichtregierungsorganisationen diskutierten das Rohstoffpotenzial der Ko-Extraktion von Kupfer und Lithium aus geothermischen Tiefenwässern bei gleichzeitiger Energiegewinnung. Ziel des Workshops war es, den aktuellen Wissensstand zu synthetisieren, bestehende Wissenslücken zu identifizieren und die technische, ökonomische sowie regulatorische Machbarkeit einer kombinierten Rohstoff- und Energiegewinnung zu bewerten.
Zu Beginn stellte Prof. Dr. Simona Regenspurg als CuLiWell-Projektleiterin die Zielsetzung und den konzeptionellen Rahmen des CuLiWell-Projekts vor. Sie betonte insbesondere das Potenzial einer heimischen Gewinnung kritischer Rohstoffe im Kontext des von der Europäischen Union verabschiedeten Critical Raw Materials Act (CRMA). Die kombinierte Förderung von Lithium und Kupfer aus geothermalen Systemen könne nicht nur zur Rohstoffsicherung beitragen, sondern zugleich die Nutzung erneuerbarer Energien stärken.
Im Anschluss beleuchtete Dr. Elisabeth Eiche den Stand der Forschung zur Lithiumextraktion aus geothermischen Fluiden. Als derzeit technisch vielversprechender Ansatz wurde die Nutzung ionenselektiver Adsorbentien vorgestellt. Dennoch existiert weiterhin Forschungsbedarf hinsichtlich der Entwicklung eines „idealen Sorbenten“. Prof. Dr. Hannes Hofmann erläuterte, dass viele Reservoirgesteine nur eine geringe natürliche Durchlässigkeit aufweisen und daher hydraulische Stimulationsmaßnahmen erforderlich sind, um die Flussraten der geothermischen Fluide zu verbessern.
Am Nachmittag sprach Michael Schmidt von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) über die Lithiumproduktion im internationalen Kontext. Er stellte die aktuellen Herausforderungen mit Blick auf globale Handelsstrukturen und die rückläufige Batterieproduktion in der EU dar und betonte die strategische Bedeutung einer stärkeren europäischen Eigenversorgung. Dr. Axel Wenke von Neptune Energy ergänzte die Diskussion um eine industrielle Perspektive. Das Unternehmen plant die Lithiumgewinnung aus Thermalwässern in der Altmark mit dem Ziel, eine regionale Wertschöpfungskette aufzubauen.
In anschließenden Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden politische Rahmenbedingungen, Möglichkeiten zur langfristigen Sicherung von Produktionsraten, Anforderungen an korrosionsbeständige Materialien sowie Aspekte des Umweltschutzes und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Die Ergebnisse wurden im Plenum zusammengetragen und gemeinsam reflektiert.
Zum Abschluss des ersten Workshoptages bot Dr. Sam Spurr (GEO: Global Extraction Observatory, Senior Fellow am RIFS) im Rahmen einer künstlerischen Intervention mit dem Titel "Volatility" einen Einblick der anderen Art zu Lithium.
Der zweite Workshoptag begann mit einer Diskussion darüber, welche politischen Maßnahmen das Vorhaben unterstützen könnten. Genannt wurden unter anderem ein 3D-Untergrundatlas für Rohstoffvorkommen, der Ausbau eines Bundesrohstofffonds und Anpassungen im Geologiedatengesetz zur Verbesserung des wissenschaftlichen Datenzugangs. Zudem wurde die Bedeutung transparenter Kommunikation, unabhängiger Forschung und frühzeitiger Beteiligungsformate für die gesellschaftliche Akzeptanz betont. Insgesamt wurde der Wunsch nach stärkerer politischer Unterstützung formuliert, um langfristige Planungssicherheit zu schaffen.
In einer Co-Writing-Session entwickelten die Teilnehmenden erste Ideen für gemeinsame Forschungsanträge. Als nächster Schritt könnte in einer gemeinsamen Test- und Demonstrationsanlage die Machbarkeit der Ko-Extraktion weiter untersucht werden.
Das Factsheet zur Ko-Extraktion finden Sie hier.