Kick-Off Workshop zum Projekt Methanentfernung
Teilnehmende des Kick-Off Workshops Tag 1 ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Dr. Kathleen Mar (RIFS) führte in den Workshop ein und stellte die zentralen Ziele des Projekts vor ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Dr. Carolina Voigt (AWI) sprach über die Methanaufnahme durch Mikroorganismen in Böden ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Dr. Jinju Zhang (KIT) stellte verschiedene Ansätze zur Entfernung von Methan aus der Atmosphäre vor ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Dr. Eike Düvel (KIT/ITAS) beleuchtete ethische Fragen der Methanentfernung ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Die Arbeitsgruppe AMR vs. CDR im Austausch ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Die Arbeitsgruppe zu technischen Ansätzen im Austausch ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Die Arbeitsgruppe zu mikrobieller Methanaufnahme im Austausch ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Dr. Martin Wolf (Spark Climate Solutions, USA) zu wissenschaftlichen und politischen Perspektiven aus den USA ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Roundtable mit Dr. Kathleen Mar (RIFS), Helmut Kleebank MdB, Jörg Rüger (BMUKN), Prof. Dr.-Ing. Roland Dittmeyer (KIT), von links nach rechts ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Teilnehmende des Kick-Off Workshops Tag 2 ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Abschlussreflektion und Besprechung der weiteren Arbeit an der Synthesepublikation ©Helmholtz-Forum Erde und Umwelt
Am 15. und 16. Oktober 2026 fand im Hotel Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin der Kick-Off Workshop des Projekts „Methanentfernung: Eine kritische Bewertung und Forschungsagenda“ des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt statt. 29 Teilnehmende kamen zusammen, um wissenschaftliche Ansätze zur Entfernung von Methan aus der Atmosphäre zu diskutieren und die gemeinsame Projektarbeit zu planen. Unter den Teilnehmenden waren Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS), des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), der Technischen Universität Berlin (TU Berlin), des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der University of Copenhagen, der University of Washington, der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Vertreter:innen aus Politik und Praxis.
Da Methan nach Kohlendioxid eines der bedeutendsten vom Menschen verursachten Treibhausgase ist und wesentlich zur globalen Erwärmung beiträgt, untersucht das Projekt wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen zur Methanentfernung aus der Atmosphäre (Atmospheric Methane Removal, AMR). Im Fokus stehen verschiedene Verfahren wie beispielsweise die Nutzung von Methanreaktoren, die Verstärkung atmosphärischer Oxidationsprozesse und die Erhöhung der mikrobiellen Methanaufnahme in Böden. Untersucht werden deren Potenziale, Risiken und Auswirkungen, offene Forschungsfragen sowie gesellschaftliche und politische Aspekte.
Zu Beginn des Workshops stellten Dr. Kathleen Mar (RIFS) und Dr. Ralf Sussmann (KIT) die interdisziplinäre Vernetzung, die Identifizierung zentraler Forschungsbedarfe sowie die Vorbereitung einer gemeinsamen wissenschaftlichen Synthesepublikation und Forschungsagenda als zentrale Ziele des Projekts vor. Ebenso verwiesen sie auf die Notwendigkeit, dass eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für die politische Debatte über die Methanentfernung geschaffen werden sollte.
Anschließend präsentierten Prof. Alex Turner (University of Washington), Dr. Carolina Voigt (AWI) und Dr. Jinju Zhang (KIT) verschiedene Ansätze zur Entfernung von Methan aus der Atmosphäre. Prof. Turner erläuterte Möglichkeiten, den natürlichen Methanabbau durch Hydroxyl- und Chlorradikale zu verstärken, verwies aber auch auf die damit verbundenen Unsicherheiten und möglichen Auswirkungen auf Luftqualität und Ökosysteme. Dr. Voigt stellte die Methanaufnahme durch Mikroorganismen in Böden vor und zeigte anhand von Messungen in arktischen Regionen, dass diese räumlich und saisonal stark variiert und bislang möglicherweise unterschätzt wird. Dr. Zhang sprach über verschiedene technische Verfahren zur Methanentfernung, darunter katalytische und lichtbasierte Oxidationsprozesse. Sie erläuterte, dass die geringe Methankonzentration in der Atmosphäre sowie der Energiebedarf bei der Behandlung großer Luftmengen zentrale Herausforderungen für die praktische Anwendung darstellen.
Im Anschluss an diese drei Vorträge beleuchtete Dr. Eike Düvel (KIT/ITAS) ethische Fragen der Methanentfernung, insbesondere die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen und mögliche Risiken verschiedener Ansätze. Zudem betonte er die Bedeutung einer verantwortungsvollen Wissenschaftskommunikation, die Potenziale und Grenzen der Methanentfernung differenziert darstellt und mögliche Auswirkungen auf die klimapolitische Debatte berücksichtigt.
Im Anschluss begannen die Teilnehmenden mit der Erarbeitung einer wissenschaftlichen Synthesepublikation. In Arbeitsgruppen diskutierten sie Themen wie die physikalischen Zusammenhänge und Unterschiede zwischen AMR und der Entfernung von Kohlendioxid (Carbon Dioxide Removal, CDR), verschiedene technische Ansätze, die Verstärkung atmosphärischer Oxidationsprozesse, mikrobielle Methanaufnahme sowie ethische und regulatorische Fragen. Neben der inhaltlichen Ausrichtung der einzelnen Kapitel wurden auch offene Forschungsfragen, benötigte Expertise und die nächsten Arbeitsschritte besprochen.
Am zweiten Veranstaltungstag setzten die Arbeitsgruppen ihre Arbeit fort und stellten ihre Zwischenergebnisse vor. Dabei wurde unter anderem diskutiert, wie sich AMR und CDR im Klimaschutz ergänzen können. Weitere Schwerpunkte waren die technische Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Ansätze zur Methanentfernung sowie regulatorische Fragen, insbesondere zur Risikobewertung und zur Überprüfung der Wirksamkeit der Methanentfernungsansätze.
Dr. Martin Wolf (Spark Climate Solutions, USA) stellte in seinem Vortrag „Assessing the Viability of Methane Removal: Science and Policy Perspectives from the United States“ wissenschaftliche und politische Perspektiven aus den USA vor. Dabei verglich er verschiedene Ansätze zur Methanentfernung hinsichtlich ihrer Kosten und Skalierbarkeit. Zudem ging er auf aktuelle Initiativen zur Forschungsförderung in den USA und den Bedarf an klaren Regeln für Forschung und Feldversuche ein.
Es folgte ein Roundtable mit Jörg Rüger (Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit – BMUKN), Helmut Kleebank MdB, Prof. Dr.-Ing. Roland Dittmeyer (KIT) und Dr. Kathleen Mar (RIFS). Diskutiert wurden die Vor- und Nachteile verschiedener Ansätze der Methanentfernung, insbesondere mit Blick auf mögliche Risiken direkter Eingriffe in die Atmosphäre oder Ökosysteme, sowie politische Förder- und Marktanreize. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und zielgruppengerecht für politische Entscheidungsträger:innen aufzubereiten und den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu stärken.
Zum Abschluss reflektierten die Teilnehmenden zentrale Erkenntnisse und offene Fragen, insbesondere zur Machbarkeit, zu Risiken und zur Regulierung der AMR-Ansätze. Als nächste Schritte wurden die weitere Arbeit an der Synthesepublikation, regelmäßige Projekttreffen und mögliche Beiträge zur EGU 2027 vereinbart. Zudem ist eine parlamentarische Veranstaltung Ende 2027 geplant.